Steiermark | In vier kürzlich bekannt gewordenen Betrugsfällen haben verschiedene Geschichten einen Gesamtschaden von nahezu einer halben Million Euro verursacht. Die Polizei warnt vor professionell gestalteten Betrugsmaschen und erklärt, welche Warnsignale Betroffene erkennen sollten.
Ein als „Love Scam“ bezeichneter Fall, der am vergangenen Wochenende Schlagzeilen machte, betrifft einen falschen Piloten, bei dem eine 50-Jährige um etwa 77.000 Euro betrogen wurde (siehe Pressemitteilung). Drei weitere aktuelle Fälle mit betroffenen Frauen aus der Steiermark verdeutlichen die unterschiedliche Natur der Betrüger. Das zugrunde liegende betrügerische Prinzip bleibt jedoch oft ähnlich: Die Täter knüpfen über soziale Medien oder Online-Plattformen Kontakt, bauen Vertrauen auf und drängen ihre Opfer zu fortlaufenden Zahlungen. Schicksalshaft formulierte Geschichten, professionell aufgemachte Internetauftritte oder sogar vermeintliche Gewinnversprechen, die tatsächliche Auszahlungen enthalten, tragen zur Glaubwürdigkeit der Betrüger bei.
Im Fall einer 27-jährigen Frau aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, die Ende Juli auf Instagram eine Anzeige für vermeintliche Investments entdeckte, führte der weitere Kontakt über WhatsApp und angeblich professionelle Gruppenchats auf Telegram. In der Annahme, Investitionen würden ihr Kapital einbringen, überwies sie in den folgenden Wochen über 6.000 Euro auf verschiedene Konten in In- und Ausland. Ihr wurde sogar ein „Bonus“ von 238 Euro ausgezahlt, um das Vertrauen weiter zu stärken. Erst als der Zugriff auf ihr vermeintlich investiertes Geld nicht mehr möglich war, wandte sich die Oststeirerin an die Polizei.
Eine 74-jährige Grazerin erlitt einen noch höheren Schaden. Sie wurde bereits im Juni über eine Werbung auf YouTube auf einen angeblichen Finanzexperten aus Deutschland aufmerksam. Ein vermeintlicher Investmentbanker veranlasste sie zu zehn Überweisungen auf Konten in verschiedenen Ländern, einschließlich Transfers über Krypto-Wallets. Auf einer angeblichen Investmentseite konnte die Frau ihre vermeintlichen Geldanlagen verfolgen. Eine echte Bonuszahlung von 1.000 Euro steigerte zusätzlich ihr Vertrauen. Letztlich verlor die 74-Jährige über 173.000 Euro und erkannte den Betrug erst, als der Kontakt zum vermeintlichen Finanzexperten abbrach.
In einem weiteren Fall hatte eine 65-jährige Grazerin über Facebook Kontakt zu einem Mann, der sich als Militärarzt im Jemen ausgab. Der Kontakt begann mit einer Freundschaftsanfrage und wurde anschließend über Messenger und WhatsApp fortgesetzt. Der Mann gab an, er benötige finanzielle Unterstützung, um nach Österreich zurückzukehren, und bat auch um Geld für die medizinische Behandlung seines angeblich kranken Sohnes. Im Verlauf mehrerer Monate verschickte die Frau insgesamt 237.000 Euro Bargeld in vier Postsendungen an unterschiedliche Adressen in Wien und Italien. Als angeblich im Namen der UNO ein weiterer Geldbetrag für die Ausreise des Mannes gefordert wurde, wurde sie misstrauisch und erstattete Anzeige.
Die aktuellen Fälle zeigen, dass solche Betrugsmaschen Menschen verschiedener Altersgruppen betreffen können. Die betroffenen Frauen sind zwischen 27 und 74 Jahre alt. Ein Blick auf die kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik zeigt zudem die Dimension dieses Delikts: Während im Jahr 2016 in der Steiermark 1.045 Fälle von Internetbetrug gemeldet wurden, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2025 auf 4.332. Damit hat sich die Anzahl der Anzeigen innerhalb von zehn Jahren mehr als vervierfacht, und im Vergleich zum Jahr 2024 stieg sie um 5,6 Prozent. Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2025 bei 31,9 Prozent.
Die Polizei rät dazu, vermeintliche Geldanlagen und Online-Bekanntschaften kritisch zu prüfen. Personen sollten sich nicht von professionellen Internetauftritten, hohen Gewinnversprechen oder persönlichen Geschichten unter Druck setzen lassen. Kleinere Auszahlungen sind ebenfalls kein Beweis für die Seriosität einer Geldanlage. Es wird geraten, kein Geld an Personen zu überweisen oder zu versenden, deren Identität nicht zweifelsfrei überprüft werden kann; Bank- oder Zugangsdaten sollten unter keinen Umständen weitergegeben werden. Bei Zweifeln ist es sinnvoll, vor einer Zahlung das Gespräch mit Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen zu suchen. Wer bereits Geld überwiesen oder persönliche Daten weitergegeben hat, sollte den Kontakt abbrechen, Beweise wie Chatverläufe, E-Mails und Screenshots sichern, bei Bedarf Zugangsdaten ändern und schnellstmöglich Anzeige bei einer Polizeiinspektion erstatten.
