Im September 2026 fanden in Straßburg, Frankreich, am Sitz des Europarates die siebte Underground Economy Conference (UEC) statt, an der etwa 720 Teilnehmer aus 52 Nationen teilnahmen. Die UEC ist eine jährliche internationale Fachkonferenz, die sich mit der Bekämpfung von Cyberkriminalität beschäftigt. Die Veranstaltung wird vom Europarat in Zusammenarbeit mit Team Cymru organisiert und vereint Strafverfolgungsbehörden, Fachleute aus den Bereichen Cybersecurity und Threat Intelligence, Vertreter des privaten Sektors, Finanzinstitutionen, internationale Organisationen sowie Wissenschaftler. Ziel der Konferenz ist es, den internationalen und sektorübergreifenden Austausch über aktuelle Entwicklungen im Bereich Cyberkriminalität, digitale Ermittlungen und die Möglichkeiten zur Bekämpfung krimineller Online-Infrastrukturen zu fördern.
Die Wiener Polizei war durch Oberstleutnant Florian Finda, dem Leiter des Assistenzdienstes des Landeskriminalamtes Wien, vertreten. Zusammen mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Wien und Mag. Carmen Kainz, der Leiterin der Kompetenzstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Wien, präsentierte Finda die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem sogenannten „SMS Blaster“-Fall im Rahmen einer internationalen Law Enforcement Case Competition.
Im Kontext dieser Ermittlungen konnten Beamte des Landeskriminalamtes Wien seit Anfang April 2026 feststellen, dass eine bislang unbekannte Täterschaft im Großraum Wien mit einem oder mehreren Geräten Phishing-SMS in großem Umfang versendete, insbesondere an Orten mit einer hohen Menschenansammlung, wie beispielsweise bei größeren Veranstaltungen. Durch gezielte Maßnahmen gelang es den Ermittlern am 14. Mai 2026, einen Tatverdächtigen zu lokalisieren. Ein Fahrzeug wurde identifiziert, und der Fahrer, ein 32-jähriger chinesischer Staatsbürger, wurde durch die Direktion Spezialeinheiten/Einsatzkommando Cobra festgenommen. Im Fahrzeug sowie bei einer anschließenden Hausdurchsuchung wurden als SMS Blaster bezeichnete Geräte, Notebooks, Mobiltelefone, Spannungswandler und weiteres technisches Equipment sichergestellt, das mutmaßlich zur Funktionsweise der Geräte verwendet wurde.
Die internationalen Kooperationen zwischen Strafverfolgungsbehörden, Justiz und privaten Partnern spielen eine entscheidende Rolle bei Ermittlungen im Bereich Cybercrime, da Tatverdächtige, technische Infrastrukturen und Geschädigte häufig über mehrere Staaten verteilt sind. Die erfolgreichen Ermittlungen verdeutlichen die wichtige Zusammenarbeit zwischen dem Landeskriminalamt Wien und der Staatsanwaltschaft Wien bei der Bearbeitung komplexer Cybercrime-Fälle. Österreich erzielte zudem Erfolge bei den anderen Platzierungen: Der erste Platz ging an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, während die Landespolizeidirektion Salzburg in Kooperation mit Lettland und Europol den dritten Platz belegte.
