10. März 2026
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Graz

Schleppernetzwerk in Steiermark: Operation ANCORA schlägt zu

Steiermark | Europaweite Ermittlungen führten zur Zerschlagung eines Schleppernetzwerks entlang der Südost-Balkanroute. Die beschuldigten Personen sollen mehr als 100.000 Menschen illegal nach Mitteleuropa geschleust und dabei Gewinne in Milliardenhöhe erzielt haben. Mehr als 130 Personen wurden festgenommen. Details wurden am 10. März 2026 bei einer Pressekonferenz in Graz durch Polizei und Justiz vorgestellt, in Anwesenheit von Innenminister Gerhard Karner.

Ermittlern der Polizeiinspektion Spielfeld-FGP ist ein signifikanter Schlag gegen eine der aktivsten Schlepperorganisationen gelungen. Im Rahmen der Operation „ANCORA“ konnten, in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden, über 130 Verdächtige festgenommen und eine umfassende Struktur der organisierten Kriminalität nachhaltig geschwächt werden. Die Ermittlungen wurden in enger Kooperation mit dem Bundeskriminalamt (BK), mehreren Landeskriminalämtern, der Staatsanwaltschaft Wien sowie internationalen Polizeibehörden durchgeführt. Besonders Europol spielte eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung der verschiedenen internationalen Ermittlungsansätze.

Südsteiermark diente als Ausgangspunkt der Ermittlungen, die auch durch regelmäßige Schwerpunktaktionen der steirischen Fremdenpolizei (FGA) im Grenzbereich zu Slowenien initiiert wurden. Im Dezember 2023 kam es während dieser Kontrollen zu einer riskanten Flucht eines mutmaßlichen Schlepperfahrzeugs im Bezirk Leibnitz, als der Fahrer eine Straßensperre durchbrach und vor der Polizei flüchtete. Trotz Schüssen auf das Fluchtfahrzeug konnte die Polizei diesen zunächst nicht stoppen. Schließlich verunfallte das Fahrzeug, wobei acht aus Syrien geschleppte Personen unversehrt blieben. Die Ermittlungen führten zu umfassenden Untersuchungen im Bereich der Schlepperei.

Im Laufe der Operation „ANCORA“ konnten Ermittler eine international agierende Schlepperorganisation identifizieren, der Schätzungen zufolge mehrere hundert Mitglieder entlang der Südost-Balkanroute angehören. Die Organisation basiert auf einem syrischen Clan und weist eine strikte hierarchische Struktur auf. Bisherigen Erkenntnissen zufolge könnten fünf autonome Teilorganisationen mit jeweils bis zu 80 Fahrern zwischen Herbst 2023 und Mai 2025 mehr als 100.000 Menschen illegal von der Türkei über Südost-Europa nach Deutschland geschleust haben. Die illegalen Gewinne dieses Netzwerks werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt.

Ein zentraler logistischer Punkt des Netzwerks war ein Handyshop in Wien-Ottakring. Aufgrund eines koordinierten Zugriffs, an dem rund 60 Einsatzkräfte der Wiener Polizei sowie Spezialkräfte von Cobra und WEGA im Mai 2025 beteiligt waren, wurden sechs Haupttatverdächtige auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien in Untersuchungshaft genommen. Bei Hausdurchsuchungen wurden Waffen und Suchtmittel sichergestellt. Die Tatverdächtigen, im Alter von 25 bis 50 Jahren, zeigen sich teilweise geständig. Die Staatsanwaltschaft Wien arbeitet an einer Anklage gegen die Männer aus Afghanistan, Syrien und der Russischen Föderation, die in Wien bzw. Budapest leben. Die übrigen Verdächtigen aus niedrigeren Hierarchieebenen sind überwiegend zwischen 18 und 35 Jahre alt und stammen aus der Republik Moldau, Rumänien, Georgien sowie der Ukraine.

Der Ermittlungsaufwand im Rahmen von „OP ANCORA“ zählt zu den umfangreichsten Verfahren gegen Schlepperkriminalität der letzten Jahre. Über 150 Beschuldigtenvernehmungen wurden durchgeführt, hunderte Mobiltelefone ausgewertet und mehrere Terabyte an digitalen Daten analysiert. Zudem konnten mehr als 1.000 Schlepperfahrzeuge identifiziert werden. Ermittler klärten auch einen tödlichen Vorfall eines Schlepperfahrzeugs in Kroatien mit drei Todesopfern auf. Der Ermittlungsakt umfasst mittlerweile rund 14.000 Seiten.

Innenminister Gerhard Karner betonte die Bedeutung des Kampfes gegen illegale Migration zum Schutz der Bevölkerung und der geschleppten Personen. Er dankte allen an den Ermittlungen beteiligten Kolleginnen und Kollegen für ihre professionelle Zusammenarbeit.

Justizministerin Anna Sporrer würdigte den Erfolg der Operation „ANCORA“ und hob die hervorragende Arbeit der Staatsanwaltschaften als zentralen Pfeiler der Strafverfolgung in Österreich hervor. Sie betonte, dass nur durch die enge Kooperation zwischen Justiz, Polizei und internationalen Partnern wie Europol kriminelle Netzwerke grenzüberschreitend zerschlagen werden können.

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